Dienstag, 4. Februar 2014

Warum eigentlich Selbstversorgung? - Werbung

Kauf diesen Joghurt, dein Bauch fühlt sich wohl, dein Stuhlgang wird geschmeidig und begehrenswert wirst du auch. Mmmh, ist der lecker! Nimm diesen Maskara, er macht deine Wimpern so unwiderstehlich, dass er von deinem restlichen Gesicht ablenkt. Probier unsere neue zuckerhaltige Limonade, damit bist du total IN und alle werden dich lieben. Benutze unser Deo, die Frauen werden auf dich fliegen.

Von allen Seiten werden wir von Werbebotschaften fast schon angeschrien. Fernsehen und Radio erzählen uns, was wir kaufen sollen. Städte und Straßen sind nicht mehr von Baumalleen gesäumt, sondern von Plakatwänden. Fährt man mit dem Auto irgendwohin, weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Da wird ein Auto, dort Zigaretten, an der Ecke Alkohol, dort drüben eine Kneipe, hier ein Wochenmarkt oder etwas weiter Jesus angepriesen. Jeder Werbende versucht die anderen zu übertrumpfen. Das M der goldenen Möwe ist inzwischen fast winzig im Gegensatz zu Schriftzügen von großen Einkaufscentern. Werbung läuft in größeren Städten sogar über Bildschirme. Ich bin jedes Mal verwundert, wenn ich an einer Kreuzung stehe, darauf warte, dass die Ampel endlich auf grün umschaltet und dabei wie gebannt auf einen bunt flackernden Werbebildschirm schaue, der mir erzählt, wer der beste Zahnarzt, Klempner, Baumarkt, Autohändler der Stadt sei. Meinen Blick kann ich nur schwer abwenden.

Als ich noch ein Kind war, sahen meine Schwester und ich sehr gern Werbung. Es gab nur drei Programme und abends kamen außer dem Sandmännchen keine Kindersendungen mehr. Geprägt wie wir waren, war der Fernseher DAS MEDIUM für unsere Unterhaltung! Ohne Fernseher ging gar nichts. Der charmante Italiener sagte, er hätte gar kein Auto, als er seiner Nachbarin mit verführerischem Blick einen Kaffee anbot. Die fleißige Hausfrau strahlte, als der glatzköpfige Zeichentrickmann ihre Wohnung blitzblank wischte und ich freute mich auf die Zwischenszenen mit den Mainzelmännchen. Schon als Kind dachte ich mir: "Wenn ich mal groß bin, will ich all das kaufen, was die in der Werbung zeigen." Ich war davon überzeugt, dass diese Sachen besser sein mussten, als alles andere, was man sonst im Supermarkt kaufen kann. Sicherlich habe ich das ein oder andere beeinflusst von der Werbung in meinen Einkaufswagen geworfen, um dann festzustellen, dass die beworbenen Waren nicht besser sind, als die, die nicht beworben werden.

Ein Kollege brachte mich auf die Idee zu diesem Post. Er braut mit Freunden zusammen sein eigenes Bier und hat diesen Sommer seine erste eigene Marmelade gekocht. Er sagt, dass er die Nase voll hat von der Werbung. Immer wieder wird ihm erzählt, was er kaufen soll und dahinter steckt meist der gleiche Einheitsbrei. Die meisten Brauereien in Deutschland wurden aufgekauft und das Bier, das wir zum Großteil im Laden erhalten ist nur noch Massengeschmack, nichts außergewöhnliches mehr. Ein deutsches Bier gewinnt  selten einen Preis, wenn überhaupt. Die großen Marken unterscheiden sich kaum voneinander, aber die Werbung will uns das Gegenteil erzählen und sagt auch noch, wir retten den Regenwald mit dem Kauf des Bieres. Mein Kollege hat mich überzeugt: Wir glauben nicht mehr an Werbung, wollen uns nicht mehr verleiten lassen, etwas zu kaufen, was nicht schmeckt und machen unsere Sachen lieber selbst. Das bringt Freude, manchmal sogar Gemeinschaft und es schmeckt viel besser, als die gekauften Waren. Der Stolz, den man nach getaner Arbeit beim Genießen empfindet, ist gewaltig. Das kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Versucht es doch einmal, geht auf ein Feld, pflückt Erdbeeren und macht eure eigene Marmelade. Unbeschreiblich lecker!

Kommentare:

  1. Ich erinner mich schmerzlich an das Cillit BANG, das mir in der Werbung versprochen hat, dass ich nur einmal aufsprühen muss und der ganze Kalk ist weg! Voll die Lüge! Ich habs wie in der Werbung gemacht und mit leichtem wischen mich auf ein tolles Ergebnis gefreut.. NICHTS!
    Das ist so eine Erinnerung die sich bei so einem Werbungskauf eingebrannt hat.

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  2. Die meinte bestimmt den Kalk, den man eigentlich gar nicht wahrnehmen kann. Also die Rückstände gerade erst getrockneter Wassertropfen oder so was.

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  3. Eine kleine Video-Empfehlung zum Thema Werbung, Selbstversorgung, Verkleinerung des eigenen CO2-Fußabdrucks: eine Dokumentation, die bei Arte lief:

    http://www.youtube.com/watch?v=eOoUg5-TYmI


    Liebe Grüße

    Kollege A

    PS: nett, dass Du mir einen kleinen Gastauftritt in Deinem Blog gewährt hast :-)

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    1. Vielen Dank für den Link. Die Doku habe ich irgendwann über Livestream auf Arte schauen wollen, meine Internet und ich hatten aber so kleine Meinungsverschiedenheiten. Jetzt konnte ich sie endlich komplett sehen.
      Du musst in Zukunft aufpassen, was du sagst, sonst kriegst du hier wieder einen Gastauftritt ;)

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