Sonntag, 14. Januar 2018

Die letzten zwei Hühner

„Schreib mal was über die Hühner“, drängelt M, als ich ihm erzähle, dass ich einen Blogeintrag verfasse. „Alle wollen was über die Hühner lesen. Das les‘ dann sogar ich.“
„Geh doch mal raus und mach Fotos“, bitte ich ihn und halte ihm grinsend den Fotoapparat entgegen. „Dann schreib ich auch was über die Hühner.“
„Nee“, sagt er und schüttelt den Kopf, „Ich kann ja nicht mal Fotos von Bebe machen.“

Ich seufze. Meine Fotos werden auch nicht besser, aber ich gehe trotzdem raus in die Kühle, wo unsere Hühner in ihrem neuen Lieblingsversteck sitzen – unter unserem Eingangsbereich. Dort bekommen sie Wärme aus dem Keller ab, sind geschützt vor Raubvögeln und haben im Blick, wenn wir raus gehen. Schließlich könnte etwas für sie abfallen, so wie heute. Denn für das kleine Fotoshooting gab es ein paar Nudeln auf die Kralle – gratis, versteht sich.

Wilhelmine frisst Nudeln


Von unseren vier Hühnern leben inzwischen nur noch zwei. Malwine und Claudette sind inzwishen tot. Mein liebstes, zahmes Huhn Malwine wurde von einem Raubvogel erlegt, der sich die besten Stücke aus ihrem Schenkel riss und floh. Er ließ ein zerrupftes Huhn und drei verschreckte Gefährten zurück. Claudette hatte sich auf das Quadratbeet geflüchtet und von Wilhelmine fehlte eine Stunde lang jede Spur. Dann entdeckten wir sie endlich hinter dem Hühnerstall.

Walburga unter unserem Eingangsbereich


Claudette wurde im letzten Jahr krank. Sie saß im Stall, fraß und trank nichts mehr. M war so tapfer, ihr den Kopf abzuschlagen und ich so feige, ihn das allein den Henker spielen zu lassen. Er hatte den ganzen restlichen Tag Gewissensbisse, benahm sich komisch, sah es mir aber nach, dass ich ihm nicht beistand. Wir hätten mit Claudette zum Tierarzt fahren können, aber ganz ehrlich, es handelt sich um ein Huhn. Sie durfte bei uns bleiben, auch ohne Eier zu legen.

Übrig sind Wilhelmine – das deutsche Reichshuhn – und der Mischling Walburga. Direkt nach der Sonnenwende legte eines der Hühner versehentlich ein Ei. Das Erste seit Monaten. Doch es landete auf dem Boden, zerbrach in tausend Stücke und der Inhalt verschwamm mit Sägespänen und Hühnerdreck. Wir erwarten nicht mehr, dass die zwei Eier legen. Stattdessen dürfen sie durch den Garten streifen, Ungeziefer fressen und Würmer in den verwachsenen Fugen unseres Pflasters suchen. Die zwei werden alt und immer zutraulicher. Selbst die scheue Wilhelmine kommt inzwischen zu mir gelaufen, um zu kontrollieren, ob da nicht doch eine Leckerei in meiner Hand ist.

Hühnerstall von außen


Letztes Jahr bauten wir (besser gesagt meine Schwester und ihr Freund) den Hühnern einen neuen Stall. Der Alte war klein, unpraktisch und schwer zu reinigen - nie wieder würde ich Hühner in so einem Stall unterbringen. Das Futter und Wasser gaben wir ihnen außerhalb des Stalls, was andere Tiere (im besten Fall Vögel) anzog. Das Wasser fror im Winter regelmäßig ein. Jetzt ist genug Platz, um beides im Stall anbieten zu können. Den Hühnern gefällt es und uns ebenfalls. Wilhelmine und Walburga bleiben bei schlechtem Wetter und Schneegestöber lieber im Stall. Aus ihrem alten Domizil flüchteten sie, sobald es möglich war nach draußen. Denn Platzmangel war hier an der Tagesordnung. Spätestens Hunger und Durst trieben sie hinaus an den Trog.

Hühnerstall Innenausbau

Hoffentlich leben die zwei noch lange. Was wir machen, wenn eines der beiden stirbt, wissen wir nicht. Ein Huhn allein zu halten, grenzt an Tierquälerei. Aber für uns steht fest, dass wir keine weiteren Hühner mehr haben wollen. Der Platz in unserem Garten reicht nicht aus, um eine größere Anzahl artgerecht zu halten und von wenigen Hühnern haben wir kaum einen Nutzen, zumal wir sie nicht schlachten, sondern nur ihre Eier essen. Wir müssten immer mehr Hühner kaufen, um uns mit Eiern selbst zu versorgen und gleichzeitig die alten Hühner durchfüttern. Das wollen weder M noch ich.

Walburga und Wilhelmine dürfen bleiben. Sie sind fast wie Hunde, neugierig, frech und treu.

Sonntag, 7. Januar 2018

Gartenvorsätze 2018


Das Jahr ist jung und wie immer sind die Pläne für den Garten groß. Im Winter macht es Spaß, sich zu überlegen, was man alles verändern und gestalten will. Die Umsetzung ist anschließend mühsam und meine Pläne streiche ich auf ein Minimum zusammen. Damit ich trotzdem etwas im Garten schaffe, nehme ich mir zu Anfang des Jahres Aufgaben vor. Und um das auch wirklich zu erreichen, erzähle ich hier davon. Denn wenn ich meine Pläne nicht umsetze, wird es peinlich.

Vorsätze für den Hausgarten
Im Blumenweg ist die Planung schwierig, da sowohl M, als auch meine Mutter ein Wörtchen mitsprechen. Außerdem braucht JF Platz zum Spielen. All das führt dazu, dass ich nur geringe Veränderungen im Hausgarten vornehmen werde. Nichtsdestotrotz plane ich, viele kleine Projekte umzusetzen.

1.  Kräuterbeet anlegen
In den letzten zwei Jahren säte ich vor unserer kleinen roten windschiefen Gartenhütte Blumen. Sie wuchsen, blühten in allen erdenklichen Farben, dufteten und zogen Insekten an. Dieses Jahr will ich hier ein Kräuterbeet anlegen.


Zumindest diese Pflanzen sollen im Beet stehen:
  • Schnittlauch
  • Petersilie
  • Thymian
  • Oregano
  • Basilikum

2.  Haselnussbüsche setzen
Nichts ist besser, als etwas zu Pflanzen, das wenig Pflege bedarf und jedes Jahr zuverlässig Erträge generiert. Also werde ich 2 oder 3 Haselnusssträucher in einer Ecke des Gartens setzen, die wir nicht nutzen. Die Büsche kommen neben das Hühnergehege und verdecken damit den unansehnlichen Maschendrahtzaun.

3.  Apfelbaum setzen
Schon seit Längerem nehme ich mir vor, einen Apfelbaum in unseren Garten zu pflanzen. Er soll vor dem Komposthaufen stehen und diesem Schatten spenden. Vor zwei Jahren stand hier eine Zwetschge, die aufgrund ihres Alters und ihrer zunehmenden Instabilität der Kettensäge zum Opfer fiel.



Als Sorte habe ich den Gravensteiner in Betracht gezogen. Der wächst auf Lehmboden und davon haben wir reichlich. Insgesamt müssen wir anfangen, unseren Obstbaumbestand zu erneuern. Alle Bäume im Garten sind ca. 30 Jahre alt. Sie tragen zwar noch Obst, aber man sieht ihnen ihr Alter an. Moos wächst auf den Stämmen und Ästen, die langsam morsch werden.

4.  Kompost neu anlegen
Unser Kompost im Hausgarten unterliegt einem ständigen Wandel. Zuerst stand dort ein riesiger Behälter aus Eternit Platten. Diesen löste ich mit Thermokompostern aus Plastik ab, die aber viel zu klein für unsere Gartenabfälle waren. Später wichen ich die Thermokomposter und  Komposter aus Draht nahmen ihren Platz ein. Aber auch mit diesen bin ich nicht zufrieden. Der Boden beim Komposthaufen ist uneben und es ist jedes Mal ein kleiner Akt, die Drahtteile zusammen zu setzen, nachdem ich den Kompost um gehoben habe. Stattdessen will ich einen Kompost aus Backstein bauen.

5.  Hochbeete neu befüllen
Eigentlich wollte im Hausgarten 9 Hochbeete bauen. Inzwischen bin ich froh, dass ich das nicht tat und nur drei baute. Als erste Schicht füllte ich in alle drei Beete Astwerk. Dadurch entstanden riesige Lufträume und als die Äste anfingen zu verrotten, sackte die Erde ab. Inzwischen ist in dem ältesten Hochbeet die Erde fast bis zur Hälfte der Beethöhe abgesackt.

Füllstand im Frühjahr
 
Die Erde liegt im Schatten und es ist beinahe unmöglich, dort Gemüse zu kultivieren. Außerdem habe ich keinen Mäusedraht am Boden der Beete befestigt, was nun leider dazu führt, dass Nager in den Hochbeeten eingezogen sind. In diesem Jahr will ich wenigstens das älteste Beet neu befüllen und Draht einziehen.



Füllstand im Herbst

Vorsätze für den Schrebergarten
Hier kann ich mich gestalterisch austoben und den Platz so einteilen, wie D und ich das für richtig halten. Entstanden sind aus meinen Träumereien Pläne, die mehr Raum in Anspruch nehmen, als im Hausgarten. Die Anzahl der Projekte hält sich aber im Rahmen.

6. Neue Beete anlegen
Insgesamt vier neue Beete will ich bauen. Zwei davon lege ich nach derselben Methode an, wie das Beet im letzten Jahr. Die beiden anderen erhalten zwar auch einen Rahmen aber ich werde sie mit einer Mulch-, bzw. Erdschicht befüllen. Das Mulchbeet bepflanze ich mit Kartoffeln und in das mit Erde gefüllte Beet ziehen Sonnenblumen, Hirse und Erbsen ein.


7. Temporäre Beete
Zu diesen vier neuen Beeten will ich außerdem zwei temporäre Beete anlegen, die beide keinen Rahmen erhalten. Hier lege ich Pappe auf den Rasen, bringe Erde aus der Kompostanlage darauf aus und säe in eines der Beete Blumen, die reichlich Samen für Vögel tragen. Das zweite Beet soll mit Mais und Erbsen oder Stangenbohnen bepflanzt werden. Vielleicht bin ich auch ein Draufgänger und gebe dem zweiten Beet einen Rahmen, was es dann zu einem „festen Beet“ macht.

8. Büsche pflanzen
Momentan ist die Seite zu unserem unteren Nachbarn – abgesehen von Rasen – nicht begrünt. Einzig den uralten Maschendrahtzaun sieht man dort. Hier habe ich mir vorgenommen, Büsche zu pflanzen. Damit mein Geldbeutel und ich uns aber nicht übernehmen, werde ich klein anfangen und 3 – 4 Sträucher setzen. Mit der Zeit soll hier eine blühende und fruchttragende Hecke entstehen, die Vögel und vielleicht auch meine Familie ernährt.

Weitere Vorsätze
Das waren meine Wünsche für den Garten. M hat mir schon seine Hilfe zugesichert, beim Beschaffen der Erde und des Komposts. Als Letztes bleiben zwei Vorsätze, die zwar auch den Garten betreffen, aber nicht nur:

9. Mehr aus dem Garten essen
Letztes Jahr ist es uns schon wesentlich leichter gefallen, das angebaute Essen zu verwerten. Trotzdem ist nicht alles in unseren Mägen gelandet. Die Johannisbeeren verschwanden zum Beispiel eher in Vogelschnäbeln, als in unseren Bäuchen. Auch der Mangold wurde sehr stiefmütterlich behandelt. Hier muss ich mir überlegen, ob ich überhaupt noch Mangold anbaue oder es bleiben lasse. Auf alle Fälle werde ich dieses Jahr mehr anbauen und mehr von dem angebauten auf den Tisch bringen. Falls ich die Motivation aufbringen kann, fange ich an, das Geerntete zu wiegen und euch berichten, welche Mengen auf unseren Beeten wachsen. Das gäbe uns auch eine gute Übersicht, über das Wachstum unseres Gartens.

10. Der Blog
Dieses Jahr will ich mindestens 26 Artikel schreiben. Das heißt, ihr könnt euch alle zwei Wochen auf einen neuen Blogeintrag freuen.

Puh, das sind verdammt viele Vorsätze. Mal sehen, ob ich Faulpelz das alles in die Tat umsetze.

Was sind deine Vorsätze für das neue Jahr? Glaubst du, dass es realistisch ist, alle deine Pläne umzusetzen?

Samstag, 23. Dezember 2017

Nashis im Garten und DAS damit tun!

Wohin mit den Nashis? Das hab ich mich 2013 gefragt. Dass diese Frucht bei uns im Garten wächst, war toll und etwas, womit ich ehrlich gesagt gut angeben konnte. Denn, hey, wer hat denn schon Nashis im Garten? Hab ich vorher noch nie gesehen. Allerdings haben die goldbraunen Früchtchen einen Nachteil. Sie schmecken wie Birnen. Das mögen andere ganz herrlich finden. Ich nicht. Ich mag Birnen nur so … semi. Nashis sind runde extrem saftige Birnen. Beißt man rein, läuft einem das Wasser aus den Mundwinkeln über das Kinn.


In diesem Jahr schaffte ich es das erste Mal, so gut wie alle Nashis zu verarbeiten und zu essen. Bei einigen war ich zu langsam, Vögel, Hornissen und Admirale fielen über den Baum mit den reifen Früchten her und verzehrten diese. Letzteres war ein wirklich schöner Anblick. Dutzende der Falter schwirrten um den Baum herum und stoben in einer winzigen Wolke auf, sobald man sich ihnen näherte. Die Hornissen hingegen erschreckten mich. Nichtsahnend griff ich nach einer Nashi und aus einem riesigen Loch glotzte mich eine Hornisse an. Ich glaub, ich hab geschrien wie ein Mädchen. Ein Wunder, dass niemand fragte, ob es mir gut ginge.


Jedoch schafften JF und ich es, die meisten der Früchte zu essen – geschält und entkernt wage sogar ich mich an das Obst heran. JF liebt die Nashis, vermutlich fragt er wieder mitten im Winter, ob er noch eine bekommen kann.

Einen Teil verarbeitete ich in Muffins und ich stellte aus den Nashis Fruchtleder her. Das Fruchtleder war mein erster und bisher einziger Versuch. Es misslang zwar, schmeckte aber trotzdem. Ich strich das Nashi-Mus auf ein mit Backpapier belegtes Blech, geizte dabei aber gehörig rum, verteilte es sehr dünn, denn es sollte ja schnell trocknen. Dadurch riss das Leder und war weniger Leder als viel mehr Brösel. Da die Nashis so extrem saftig sind, habe ich das Mus vorher in ein Sieb gegeben und es abtropfen lassen. Dabei ist etwas Saft entstanden, um den sich M und JF stritten – einfach zuckersüß.

Mutti machte noch etwas Marmelade aus den Nashis und ihr gelang es sogar, dass sie fest wurde. Ich versuchte mehrere Male Marmelade aus Nashis zu kochen, jedes Mal misslang es. Auf jeden Fall waren dieses Jahr zum ersten Mal alle Nashis weg – bis auf die für die Tiere. Ach ja, für Salat eignen sich das süße Obst ebenfalls. Aber das hatten wir ja gerade erst.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Der Fenchel-Versuch

Fenchel war mein Gemüse des Jahres 2017. Es war ein Versuch ihn zu ziehen und was soll ich sagen. Es hat geklappt, aber nicht gut. In meinem Garten ließ ich dem Fenchel einen ganzen Quadratmeter Platz. Ich kaufte Saat und säte drei Reihen der weißen Knollen, insgesamt waren es glaube ich 20 Samen, die ich unter die Erde brachte. Gesehen habe ich von den Pflanzen zwei und eine davon konnte ich letztendlich ernten. Die andere Pflanze wurde vorzeitig von einer Schnecke geerntet. Vermutlich sind auch die restlichen Fenchelpflanzen kurz nach dem Keimen den schleimigen Biestern zum Opfer gefallen. Nur der Fenchel, dem ich einen Schnecken-Kragen gönnte, landete in meinem (und auch ein bisschen in Ms) Bauch.



Ich erntete den Fenchel im September, gerade rechtzeitig zur Nashi-Reife und machte einen Salat aus beidem. Die Zubereitung ist überaus einfach und lässt sich mit einer Birne statt der Nashi ersetzen.

Was ihr braucht:
1 Fenchel
1 Nashi (oder Birne)
1 handvoll Walnüsse
etwas Obstessig (am besten Himbeere)
Salz
Pfeffer

Zubereitung:
Fenchel putzen, Fäden ziehen und fein hobeln.
Nashi schälen, entkernen und ebenfalls fein hobeln.
Walnüsse in einer heißen Pfanne ohne Fett rösten.
Alles zusammen geben, mit Essig, Salz und Pfeffer abschmecken.

Dies ergibt zwei Portionen oder eine Portion für jemand hungriges (mich).

„Willst du mal probieren?“ fragte ich M und hielt ihm eine Gabel Salat vor die Nase.
Noch während er den Mund öffnete, fragte er: „Was ist das?“
„Fenchel-Nashi Salat aus dem eigenen Garten“, erwiderte ich stolz, als ich ihm die Gabel in den Mund schob.
M verzog das Gesicht noch bevor seine Zunge etwas schmecken konnte, ließ es aber trotzdem zu, dass ich ihn mit dem Salat fütterte.
„Naja, nicht mein Fall. Fenchel ist furchtbar.“
Ich verdrehte die Augen. „Wenn er scharf angebraten ist, magst du ihn.“
„Aber so nicht.“ Missmutig deutete er auf den kleinen blauen Teller. Beinahe schien es so, als wolle er vor Ekel die Zähne fletschen.
Ich seufzte. „Manchmal muss man was neues probieren.“
M grunzte unzufrieden.

Und ich? Ich fand es köstlich und war froh, dass der Salat M nicht schmeckte.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Bohnenliebe

„Hast du die extra so hingelegt, um sie für deinen Blog zu fotografieren?“ fragte meine Schwester, als sie zu Besuch war.
„Äh, was?“ fragte ich verwirrt zurück.
„Na, der Teller, der bei dir auf dem Küchentisch steht“, sagt sie und deutete auf einen Pizzateller, auf dem sich allerhand Ernte angesammelt hatte.
„Nein, aber jetzt, wo du das so sagst ...“

Oben: Westgötland, Mitte: Capriana, Unten: Gelbe von Siebenbürgen


Schnell holte ich die Kamera und schoss ein paar Fotos von dem wilden Sammelsurium. Eigentlich ging es bei diesem Arrangement lediglich darum, möglichst wenig Platz auf unserem Küchentisch einzunehmen. JF und ich hatten Kastanien gesammelt, vermutlich hatte M sie auf den Teller gelegt, weil sie überall anders im Weg waren. Dazu kamen Tomaten, die in der Wohnung nachreifen sollten, Bohnen zum Trocknen (in der Hülse und ohne Hülse) und ein paar Samen einer Jalapeno, die in diesem Jahr so wunderschön gewachsen war.

Die Bohnen auf dem Teller sind von drei Sorten, die ich in meinen Gärten vermehrte, die „Gelbe aus  Siebenbürgen“, Capriana und Westgötland. Außerdem habe ich die kletterfaule Splash Trout vermehrt. Eine wunderschöne weiße Trockenbohne mit einer fast pinken Musterung, die später braun wird. Auf dem Foto unten versteckt sie sich zwischen den Bamberger Blauen und der Yin Yang Bohne, die schon seit einigen Jahren in meinem Garten wachsen. Die Keimraten der neuen, mitunter sehr alten – im Sinne von „Das Saatgut lag schon lange rum“ - Bohnen fand ich schlecht.



Von jeder der vier Sorten säte ich 15 Stück.
Die „Gelbe aus Siebenbürgen“ keimte immerhin 5 mal.
Die Westgötland und die Splash Trout brachten jeweils 3 Pflanzen zustande.
Aber die Capriana enttäuschte mich am meisten. Nur eine einzige Bohne reckte ihre Blätter in die Höhe und kletterte später sehr eifrig die improvisierte Bohnenstange hinauf.

Ihr Ertrag war dafür gigantisch. Ich konnte von der Capriana mehr Bohnen sammeln, als von der „Gelbe aus Siebenbürgen“. Meine Enttäuschung hielt an, bis ich „Carpe Diem“ berichtete, dass ich zwar von allen Bohnen etwas ernten konnte, aber die Capriana nur ein einziges Mal gekeimt hatte.

Carpe Diem freute sich riesig über den Erfolg, denn sie hatte Saatgut der Capriana an verschiedene Vermehrer gegeben und ich war die Einzige, bei der es überhaupt gelungen war, neues Saatgut zu gewinnen. Bei allen anderen keimte nicht einmal eine einzige der Bohnen. Meine Enttäuschung verwandelte sich sofort in maßlosen Stolz über diesen Erfolg. Manchmal sind sogar die kleinen Schritte riesige Erfolge. Schade nur, dass man selbst es nicht sieht und erst jemand anderes erklären muss, wie großartig das erreichte Ergebnis ist.

Ich konnte von allen Sorten Saatgut zurück senden und habe selbst noch genug behalten können, um im nächsten Jahr wieder Bohnen anzubauen. Vielleicht reicht es sogar aus, um meine Nachbarn mit Saatgut zu beglücken. Besonders spannend bei der nächstjährigen Vermehrung wird die „Westgötland“, denn die Ernte entsprach überhaupt nicht dem, was ich säte. Aber dazu später mehr.

Samstag, 25. November 2017

Eine Umfrage unter Gartenbloggern

Mich erreichen nur selten Kommentare zu meinen Artikeln. Um so mehr freue ich mich, wenn jemand etwas schreibt. Vor allem wenn in dem Text steht, dass derjenige alle Artikel meines Blogs gelesen hat: "Hut ab für so viel Ausdauer".
Jürgen vom Blog "Ich bin dann mal im Garten", surft durch die Gartenbloglandschaft und möchte wissen, warum andere Blogger über ihren Gartenalltag schreiben. Selbstverständlich war ich sofort Feuer und Flamme, tippte ein wenig und möchte euch das Ergebnis nicht vorenthalten.

  1. Wer schreibt hier?
    Eine Frau, die im scheinbar verschrienen Nordhessen geboren und aufgewachsen ist. Das Gärtnern liegt mir im Blut. Meine Oma kümmerte sich leidenschaftlich um den Hausgarten. Unvergessen lecker bleiben ihr Spinat, die Erbsen und Klößchen Suppe und das Karotten-Gemüse. Alles aus ihrem Garten und alles unsagbar lecker. Mein Vater war Sohn von Bauern und seine Gene scheinen bei meiner faulen Begeisterung für den Garten ebenfalls einen Grundstein zu bilden.
    Ich gehe inzwischen auf die 40 zu, teile mein Leben mit meinem Mann, unserem kleinen Sohn und unserem Hund. Ich bin ein ausgesprochener Faulpelz und obwohl ich nur wenig Zeit in den Garten stecke, so kommt dennoch etwas dabei herum – frisches Gemüse. Wenn auch nicht in rauen Mengen.



  2. Über was schreibe ich hier eigentlich genau?
    Ursprünglich hatte ich wirklich Großes vor in meinem kleinen Garten. M und ich ackerten fast das gesamte Grundstück um, um im nächsten Jahr möglichst viel Gemüse anzubauen. Im Frühling erwartete uns dann aber eine Wiese statt Acker und die Motivation war dahin. Glücklicherweise hatten wir dadurch die Gelegenheit klein anzufangen. Alles andere hätte meine Freude am Garten zerstört.
    Tatsächlich geht es mir noch immer darum, meine kleine Familie mit Obst und Gemüse zu versorgen. Allerdings halten sich meine erzielten Erträge in Maßen und reichen höchstens für ein Essen in der Woche. Aber wenn dann eine Köstlichkeit aus dem Garten unsere Teller findet, kommt auch häufig eine Rezeptidee in meinen Blog.
    Ansonsten schreibe ich über meine neu entdeckte Bohnenliebe. Im letzten Pflanzjahr konnte ich vier verschiedene alte Bohnensorten in meinem Garten vermehren. Eine der Sorten keimte nur bei mir und selbst bei mir entschied sich nur eine von 16 Bohnen dazu, sich die nähere Umgebung mal genauer anzuschauen. Die Betreuerin der Sorte freute sich riesig über diesen kleinen Erfolg. Der Erhalt von altem Saatgut liegt mir am Herzen, die Bohnen haben es mir im Besonderen angetan. Dies wird wohl so lang der Blog existiert einer meiner Schwerpunkte beim Schreiben bleiben.



  3. Für wen schreibe ich?
    Für alle, die es interessiert. Das letzte Mal fing ich wieder an zu schreiben, weil ein guter Freund meine Beiträge vermisste. Wohlgemerkt ein Freund, der kopfschüttelnd beobachtete, wie ich den Kompost um hob und der im Garten vielleicht den Rasen mäht, sonst aber keinen Finger krumm macht. Sein Interesse an den für ihn so fachfremden Themen inspirierte mich. Vielleicht wird er ja noch ein Gartenliebhaber und bald schon kümmert er sich um das Gemüse in seinem Hausgarten.



  4. Warum schreibe ich?
    Weil es mir Spaß macht. Irgendwann kribbeln meine Fingerspitzen und sie wollen unbedingt auf Tasten herum trommeln. Im Sommer schreiben sie dann Berichte für meinen Blog. Im Winter lässt meine Begeisterung für das Blog-Schreiben nach. Und das, obwohl ich auch jetzt noch mindestens 10 Themen hätte, zu denen ich was sagen will.
    Ich glaube nicht, dass ich wertvolle neue Beiträge bringen kann. Fast alles wird und wurde schon von anderen gesagt und das oft präziser und besser recherchiert, als ich selbst es könnte. Aber der Blog ist für mich ein Tagebuch, eine Erinnerung an den üppigen Sommer, ein Ansporn, im nächsten Jahr noch mehr im Garten zu schaffen. Und neben der Entwicklung meines Gartens sehe ich auch meine eigene Entwicklung.

  5. In welcher Form versuche ich zu schreiben?
    So wie es mir einfällt. Ich schreibe einfach. Damit ich meinen Lesern keinen Unfug erzähle, recherchiere ich auch hin und wieder. Das Internet ist gefährlich. An jeder Ecke erhält man gut gemeinte Tipps. Doch wie viele davon sind umsetzbar und sinnvoll? Ich versuche nicht noch mehr Dummheiten zu verbreiten, sondern mit meinen Erfahrungen zu bereichern.

  6. Warum mache ich diese Berichte aus dem Garten allen zugänglich?
    Ich hoffe, ich kann anderen Mut machen. Auch mit kleinen Schritten kann man etwas erreichen. Wenn man einmal scheitert, muss man sich nur überlegen, wie man es beim nächsten Mal besser machen kann. Das Leben ist ein ständiger Entwicklungsprozess. An einem Garten und einem Kind kann man dies am allerbesten beobachten. Man sieht direkt, was man falsch und was man richtig gemacht hat.
Wer mehr über Jürgen und seinen Garten wissen möchte, der sollte seine Seite besuchen.


Sonntag, 17. September 2017

Hot Compost - Nichts für Faulpelze


Ein heißer Kompost, oder Hot Compost, ist wahrlich nichts für Faulpelze wie mich. Das musste ich jetzt feststellen, aber hey, um eine neue Erfahrung zu machen, muss man etwas neues probieren. Im letzten Jahr, als ich tierisch Kompost-motiviert war, hätte es mit dem Hot Compost sogar fast geklappt, wenn ich denn die richtigen Materialien dafür gehabt hätte.



Dass ich seit neustem den Rasen in unserem Schrebergarten mähe, erwähnte ich ja schon. Dass ich mich an einem Hot Compost versuchen wollte, schrieb ich auch. Ich mähte also, breitete den Rasenschnitt auf der Wiese aus und wartete einen Tag, damit er etwas antrocknen konnte.



Den nächsten Tag fuhr ich mit meinem Fahrrad und Pappe in den Satteltaschen in den Schrebergarten, um meinen ersten richtigen heißen Kompost aufzusetzen. Einer der großen Vorteile soll ja sein, dass hinterher genauso viel Material raus kommt, wie man rein tut. Ich war also wirklich gespannt, was passiert. Ach, ein weiterer (noch wichtigerer) Vorteil ist, dass Krankheitskeime und Saat bei den hohen Temperaturen im Kompost absterben.

Ich schichtete also gemütlich meinen Rasen und die Pappe in den Thermokomposter. Zwischendrin flog immer wieder eine Gabel voll Gartenabfall dazwischen, der vorher in dem Komposter war. Vielleicht verrottet das ja auch, dachte ich mir.



Der Kompost wuchs Schicht um Schicht. Am Ende war er bis zum Deckel gefüllt. Ich klappte ihn zu, rieb mir den Schweiß aus der Stirn und fuhr wieder nach Hause (viel zu spät, JF war schon wieder von der Oma zurück).



Jeden Tag blickte ich erwartungsvoll in den grünen Behälter, hielt meine Hand prüfend über die letzte Schicht Rasenschnitt und freute mich, dass ich die Wärme tatsächlich spüren konnte. Es läuft, dachte ich bei mir. Doch dann kam der nächste Schritt für den erfolgreichen heißen Kompost.

Nach vier Tagen muss man den Kompost umsetzen. Das Innere kommt nach außen, das Äußere nach innen. Oben und unten tauschen den Platz. Damit soll der Verrottungsprozess am Laufen gehalten und die Temperatur weiter nach oben getrieben werden. Blöd nur, dass mein Urlaub so unvorhersehbar schnell zu Ende war (Ironie aus) und ich zu so später Feierabendstunde keine Lust hatte, den zugegebenermaßen kleinen Kompost umzusetzen. Schlimm war auch die Vorstellung, dass es sich damit nicht erledigt hat. Ganz im Gegenteil, denn der Kompost möchte gern alle zwei Tage erneut umgesetzt werden.

Tja, daran scheiterte der Versuch. Übrigens war der Kompost schon nach zwei Tagen auf die Hälfte seiner ursprünglichen Höhe zusammen gesackt und nach 3 Tagen war die Tonne nur noch zu einem drittel gefüllt. Von wegen, das Material wird nicht weniger. Mein Fazit: Ich bleibe beim Standard-Kompost, den ich alle halbe Jahr umsetze. Das ist zwar wesentlich mehr Arbeit auf einmal, aber wenn ich meinen Schweinehund schon überwinden muss, dann doch bitte nur alle halbe Jahr und nicht alle zwei Tage.