Sonntag, 14. Januar 2018

Die letzten zwei Hühner

„Schreib mal was über die Hühner“, drängelt M, als ich ihm erzähle, dass ich einen Blogeintrag verfasse. „Alle wollen was über die Hühner lesen. Das les‘ dann sogar ich.“
„Geh doch mal raus und mach Fotos“, bitte ich ihn und halte ihm grinsend den Fotoapparat entgegen. „Dann schreib ich auch was über die Hühner.“
„Nee“, sagt er und schüttelt den Kopf, „Ich kann ja nicht mal Fotos von Bebe machen.“

Ich seufze. Meine Fotos werden auch nicht besser, aber ich gehe trotzdem raus in die Kühle, wo unsere Hühner in ihrem neuen Lieblingsversteck sitzen – unter unserem Eingangsbereich. Dort bekommen sie Wärme aus dem Keller ab, sind geschützt vor Raubvögeln und haben im Blick, wenn wir raus gehen. Schließlich könnte etwas für sie abfallen, so wie heute. Denn für das kleine Fotoshooting gab es ein paar Nudeln auf die Kralle – gratis, versteht sich.

Wilhelmine frisst Nudeln


Von unseren vier Hühnern leben inzwischen nur noch zwei. Malwine und Claudette sind inzwishen tot. Mein liebstes, zahmes Huhn Malwine wurde von einem Raubvogel erlegt, der sich die besten Stücke aus ihrem Schenkel riss und floh. Er ließ ein zerrupftes Huhn und drei verschreckte Gefährten zurück. Claudette hatte sich auf das Quadratbeet geflüchtet und von Wilhelmine fehlte eine Stunde lang jede Spur. Dann entdeckten wir sie endlich hinter dem Hühnerstall.

Walburga unter unserem Eingangsbereich


Claudette wurde im letzten Jahr krank. Sie saß im Stall, fraß und trank nichts mehr. M war so tapfer, ihr den Kopf abzuschlagen und ich so feige, ihn das allein den Henker spielen zu lassen. Er hatte den ganzen restlichen Tag Gewissensbisse, benahm sich komisch, sah es mir aber nach, dass ich ihm nicht beistand. Wir hätten mit Claudette zum Tierarzt fahren können, aber ganz ehrlich, es handelt sich um ein Huhn. Sie durfte bei uns bleiben, auch ohne Eier zu legen.

Übrig sind Wilhelmine – das deutsche Reichshuhn – und der Mischling Walburga. Direkt nach der Sonnenwende legte eines der Hühner versehentlich ein Ei. Das Erste seit Monaten. Doch es landete auf dem Boden, zerbrach in tausend Stücke und der Inhalt verschwamm mit Sägespänen und Hühnerdreck. Wir erwarten nicht mehr, dass die zwei Eier legen. Stattdessen dürfen sie durch den Garten streifen, Ungeziefer fressen und Würmer in den verwachsenen Fugen unseres Pflasters suchen. Die zwei werden alt und immer zutraulicher. Selbst die scheue Wilhelmine kommt inzwischen zu mir gelaufen, um zu kontrollieren, ob da nicht doch eine Leckerei in meiner Hand ist.

Hühnerstall von außen


Letztes Jahr bauten wir (besser gesagt meine Schwester und ihr Freund) den Hühnern einen neuen Stall. Der Alte war klein, unpraktisch und schwer zu reinigen - nie wieder würde ich Hühner in so einem Stall unterbringen. Das Futter und Wasser gaben wir ihnen außerhalb des Stalls, was andere Tiere (im besten Fall Vögel) anzog. Das Wasser fror im Winter regelmäßig ein. Jetzt ist genug Platz, um beides im Stall anbieten zu können. Den Hühnern gefällt es und uns ebenfalls. Wilhelmine und Walburga bleiben bei schlechtem Wetter und Schneegestöber lieber im Stall. Aus ihrem alten Domizil flüchteten sie, sobald es möglich war nach draußen. Denn Platzmangel war hier an der Tagesordnung. Spätestens Hunger und Durst trieben sie hinaus an den Trog.

Hühnerstall Innenausbau

Hoffentlich leben die zwei noch lange. Was wir machen, wenn eines der beiden stirbt, wissen wir nicht. Ein Huhn allein zu halten, grenzt an Tierquälerei. Aber für uns steht fest, dass wir keine weiteren Hühner mehr haben wollen. Der Platz in unserem Garten reicht nicht aus, um eine größere Anzahl artgerecht zu halten und von wenigen Hühnern haben wir kaum einen Nutzen, zumal wir sie nicht schlachten, sondern nur ihre Eier essen. Wir müssten immer mehr Hühner kaufen, um uns mit Eiern selbst zu versorgen und gleichzeitig die alten Hühner durchfüttern. Das wollen weder M noch ich.

Walburga und Wilhelmine dürfen bleiben. Sie sind fast wie Hunde, neugierig, frech und treu.

Kommentare:

  1. Das tut mir sehr leid, man hängt doch an den Tieren, ob Katzen oder Hühner. Sperber und Habicht nehmen leider auch Haustiere. :( Ich wünsche dir auch, dass die anderen Hühner noch lange leben.
    VG
    Elke

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    1. Liebe Elke,
      vielen Dank für deine Anteilnahme. Je länger man so ein Mitgeschöpf kennt, desto mehr hängt man an ihm. Unsere Hühner sind wirklich wie normale Haustiere geworden. Eigentlich wollten wir nur ihre Eier essen, aber schnell stellte sich heraus, dass jedes Huhn einen eigenen Charakter hat. Ich bin dankbar, die 4 kennengelernt zu haben. Ich hoffe sehr, dass nicht eines der beiden verbliebenen Hühner lange Zeit allein sein muss.

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