Mittwoch, 22. April 2015

Das Pflanzen im Quadratbeet geht los

Gut, eigentlich das säen, denn Vorgezogenes will noch nicht raus oder aber ich bin zu spät dran mit dem Vorziehen. Trotzdem habe ich am 14. April mein Quadratbeet Nummer 2 bepflanzt. Bei den Abständen halte ich mich nicht immer an die Ratschläge aus dem Buch "Square Foot Gardening", das ich im letzten Jahr kaufte, sondern probiere aus, wie es am besten passt. Die Quadratbeete eignen sich hervorragend, zum Ausprobieren neuer Sachen. Erst einmal im Kleinen testen, bevor große Flächen mit Gemüse bepflanzt werden, mit dem man dann nicht zurecht kommt oder das man nicht mag. Natürlich dürfen auch einige Standardsachen nicht fehlen, entweder weil noch Platz ist und man nicht nur Misserfolge haben möchte oder weil der Weg zum Quadratbeet im Hausgarten kürzer ist, als in den Schrebergarten.

Vorbereitet habe ich das Beet mit etwas Mist aus dem Hühnergehege und Kompost. Beides ein wenig eingeharkt und fertig ist das Quadratbeet für die nächste Gartensaison.

Von oben links nach unten rechts haben ich folgendes gepflanzt oder werde es noch pflanzen, sobald die Zeit dafür ist:

  • Schalotten (5x)
  • Kohlrabi (5x)
  • Zuckererbse (3 x 3)
  • Buschbohne "Bamberger Blaue" (die müssen noch bis Mitte Mai warten)
  • Schwarzwurzel (4 x 4)
  • Pflücksalat (4 x 4)
  • Karotten (5 x 5)
  • Zuckererbse (3 x 3)
  • Rote Beete (3 x 3)

Schalotten
Laut Buch soll man 16 Schalotten in ein Quadrat pflanzen können. Ich schaute mir die Knollen an und da ich vor kurzem erst gelesen hatte, dass Schalotten um sich herum neue Zwiebeln ausbilden, dachte ich mir, dass 4 x 4 Schalotten vielleicht zu viel sind, für ein 40 x 40 cm großes Feld. Also habe ich sie wie die Fünf eines Würfels angeordnet. Immerhin stand auf der Packung, dass sogar 30 cm zur nächsten Schalotte notwendig seien. Versuch macht kluch ... nächstes Jahr weiß ich es besser und kann abschätzen, welchen Abstand die Kleinen wirklich brauchen.


Kohlrabi
Ich hab länger drüber nachgedacht, ob ich 5 oder 9 Kohlrabi in ein Feld pflanze und mich letztlich für 5 entschieden. So können die einzelnen Knollen etwas größer werden und ich muss sie nicht so schnell ernten.

Zuckererbse
Mein erster Versuch, Erbsen anzubauen. Soll sehr einfach sein, also lasse ich es drauf ankommen, sie zu pflanzen. Mal sehen, ob sie was werden. Auch spannend: Ich hab noch nie frische Zuckererbsen gegessen, die sollen ein echtes Highlight und viel besser als ihre Kollegen aus dem Supermarkt sein. Wenn sie mir schmecken, werde ich nächstes Jahr ein oder 2 Reihen im Schrebergarten anpflanzen.

Buschbohne Bamberger Blaue
Im letzten Jahr zweifelte ich  noch, ob die Buschbohnen in dem frisch gedüngten Beet wachsen, doch Franz Fellner beruhigte mich und tatsächlich wuchsen sie wunderschön und ich konnte viele Bohnen für die Saat in diesem Jahr ernten. Mit dem Mist auf dem Beet werde ich wieder neue Erfahrungen sammeln, denn in Hühnermist ist so viel ich weiß Stickstoff enthalten und den mögen Bohnen nicht. Allerdings ist das nicht so schlimm, denn ich habe noch mehr Pflanzplätze für meine Patenbohnen vorgesehen und diese werden nich mit Mist gedüngt.

Schwarzwurzel
Die Scharzwurzeln sind auch neu in das Pfanzsortiment aufgenommen worden. Sie mögen keinen Mist, habe ich gelesen, nachdem ich sie aussäte. Naja, beim Bepflanzen eines weiteren Beetes werde ich wohl nur Kompost einarbeiten und mal beobachten, wie sich die beiden Felder mit den Schwarzwurzeln entwickeln. Das Saatgut kaufte ich bereits im Vorjahr und gerade Schwarzwurzel-Saatgut soll sich nicht so lang halten. Mal sehen, ob überhaupt etwas aufgeht.

Pflücksalat
Der steht in diesem Jahr enger zusammen. Letztes Jahr pflanzte ich nur 5 Pflanzen pro Feld. Dieses Jahr muss ich also wenigstens dieses Feld früher abernten. Aber ich freue mich auch schon sehr auf den ersten Salat aus dem eigenen Garten.

Karotten
Hier empfiehlt das Buch, 4 x 4 Möhren zu pflanzen, aber ich hatte bereits im letzten Jahr 5 x 5 pro Feld angepflanzt und ich konnte trotzdem dicke Möhren ernten. Warum also nicht wieder so pflanzen, vor allem wenn das Pflanztütchen einen geringeren Abstand zwischen den Möhren empfiehlt?

Rote Beete
Hier hatte ich im letzten Jahr nur 5 Exemplare in ein Feld gepflanzt, allerdings von vorgezogener Beete, die im Quadratbeet richtig ausreifen konnte. Dieses Jahr will ich sie etwas kleiner ernten, so dass 9 Beeten Platz haben sollten. Ich habe ja noch immer die Option, 4 Beeten als kleine Kügelchen zu ernten und die restlichen 5 weiter wachsen zu lassen.

Ein weiteres Beet ist auch schon bepflanzt und den Bericht dazu schreibe ich demnächst.

Samstag, 18. April 2015

Ich muss Brennnesseltee kaufen

... dachte ich heute morgen, als ich aufwachte, meine Beine gefühlt dem Umfang eines Elefantenbeines entsprachen und meine Schuhe zwei Nummern zu klein schienen. Jetzt geht es wohl doch noch los, Wasser in den Beinen. Naja, 4 Wochen noch, dann wird alles anders.

Nach dem Frühstück und dem ungekauften Brennnesseltee ging ich mit Klara durch Feld, Wald und Wiese, schaute die Welt um mich herum an, sah Bärlauch, Giersch und Brennnesseln. Brennnesseln ... moment mal ... da war doch was. Warum sollte ich eigentlich Tee kaufen, wenn die Brennnesseln gerade ganz jung und frisch aus dem Boden sprießen und sogar in unserem Garten einige Exemplare wachsen? Wie einfach doch mein Denken ist: Ich brauche was? Kaufen! Ob sich das wohl irgendwann ändert?


Wieder zu Hause angekommen schnappte ich mir Handschuhe, Sieb, eine Rasenkantenschere und ging zu unserem Zwetschgenbaum, an dessem Fuße die widerspenstigen, pieksigen Brennnesseln wachsen. Ich schnippelte fröhlich vor mich hin und sammelte mit den wunderschönen Handschuhe, die M mir vor kurzem schenkte, die jungen Triebe ein. Kurz mit Wasser abgespült, heißes Wasser drüber geschüttet et voila, der Brennnesseltee ist fertig.


Vermutlich müssten die Kräuter wohl erst noch trocknen, aber ich habe JETZT Probleme und nicht erst in drei Tagen, wenn die Blättchen klein zusammengeschrumpelt sind. Der Tee riecht ein bisschen nach Spinat, kein Wunder also, dass manch einer aus Brennnesseln Spinat zubereitet.


Drückt mir die Daumen, dass auch frische Brennnesseln helfen. Einen kurzen Steckbrief zur Wunderpflanze Brennnessel findet ihr hier.


Mittwoch, 15. April 2015

Vom Erschaffen und Erhalten

Wenn ich etwas Neues geschaffen habe, freue ich mich jedes Mal wieder wie Bolle und glaube, es wäre für die Ewigkeit. Allerdings macht mir die Natur gerade im Garten einen dicken Strich durch die Rechnung. Von wegen, meine Arbeit ist für die Ewigkeit, ganz und gar nicht, denn die Natur holt sich alles nach und nach wieder zurück, indem sie lästige Gräser in die Beete zurück kriechen lässt oder großzügig Samen von Pflanzen verteilt, die man gar nicht gebrauchen kann ...


So erging es auch meinem wunderschönen Beet für die Johannisbeeren. Letztes Jahr ignorierte ich das Unkraut und auch das Gras, das über die Rasenkante hinaus wuchs und dieses Jahr konnte ich meine Augen nicht mehr davor verschließen. Die Steine, die ich liebevoll um das Beet herum arrangiert hatte, waren komplett überwuchert und im Beet streckte sich Unkraut empor. So war das nicht mehr hübsch. Als Faulpelz denke ich immer erst darüber nach, zu resignieren "Bitte, Natur. Hol dir doch zurück was dir gehört. Ich will eh nur die Beeren. Mir doch egal!" aber dieses Mal nicht, das Beet ist ja nicht sooo groß und wenigstens im Hausgarten soll es auch hübsch aussehen.


Also holte ich mir einen kleinen Teppich, hockte mich auf den feuchten Boden und stach mit einem Spachtel den Rasen wieder ab, zupfte das Unkraut aus dem Feld und verfütterte alles an unsere verfressenen Hühner, die sich laut gackernd über das abwechslungsreiche Grün hermachten (im Gehege haben sie leider schon alles kahl gefressen und gescharrt). Als ich fertig war, bewunderte ich meine Arbeit und freute mich darüber, dass die Johannisbeeren bereits ihre ersten grünen Blätter tragen. Jetzt ist das Beet wieder schön und ich muss zum nächsten Erhaltungsprojekt voran schreiten - erschaffen macht mir persönlich mehr Spaß, als zu erhalten. Was der liebe Gott dazu wohl sagen würde? Der hat ja auch einen leichten Hang dazu, seine eigene Schöpfung zu zerstören, bevor er merkt, dass das vielleicht doch keine so gute Idee ist ...

Sonntag, 12. April 2015

Was der Winter übrig ließ

Nun aber. Der Winter ist vorbei, die Sonne scheint - an manchen Tagen - und der Frühling steht vor der Tür. Es ist Zeit, den Garten in Schuss zu bringen und die erste Saat in die Erde zu legen.

Meine Quadratbeete waren den gesamten Winter über mehr oder weniger ungeschützt. Über ein Beet streute ich Stroh, das andere deckte ich mit einem Vlies ab. Den Zaun, den ich letztes Jahr in mühevoller Kleinarbeit zusammenschraubte, holte sich der Winter. Naja, die Stöcke waren eh schon Pilzbefallen und diese leisteten insgesamt gute Arbeit. Das Holz verrottet, soll es ja auch, und der Zaun zerfiel in seine Einzelteile - nun muss ich mir jetzt überlegen, wie ich die Beete dieses Mal abgrenze. Den Zaun fand ich schon schön, allerdings dauert es wohl noch 2 Monate, bis ich mich wieder einigermaßen bewegen kann und wer weiß, ob ich dann die Zeit und Muse habe, etwas für den Garten zu basteln.


Der Winter und die ungeschützten Felder brachten leider auch ein Problem mit sich. Die Beete sind in 9 Quadrate unterteilt und in jedes Quadrat wird etwas anderes gepflanzt. Im Folgejahr sollte man tunlichst vermeiden, Kohl wieder in das gleiche Feld wie in dem Jahr zuvor zu setzen, damit man sich nicht irgendwann eine lästige Kohlhernie heranzüchtet. So weit so gut und ich hab das auch verstanden, aber was passiert denn, wenn ein fleißiger Hund das Feld umgegraben und dabei die Erde im ganzen Beet verteilt hat? Hab ich jetzt einen Kohlstopp und sollte auch andere Pflanzen in dem Beet vermeiden? Hat irgendwer Erfahrung mit diesem Problem und kann mir einen Tipp geben? Ich bin etwas ratlos, werde aber wohl trotzdem mit dem Bepflanzen anfangen ... nur meine Pläne ändere ich und verzichte wohl besser auf Kohl.


Mittwoch, 8. April 2015

Gartenpläne 2015

Wie schon gesagt, sind meine Pläne für den Garten in diesem Jahr überschaubar. Ich will meine drei Quadratbeete bepflanzen, ein paar Kübel mit Tomaten, Kräutern und evtl. anderem Gemüse heranziehen und dann noch etwas im Schrebergarten machen. Im letzten Jahr habe ich festgestellt, dass das Quadratbeetgärtnern meine liebste Art des Gärtnerns ist. Wobei dies nicht an den Quadraten liegt, sondern daran, dass die Beete mit Holz eingefasst sind, man zwischen den Beeten entlang laufen kann, ohne den zu bepflanzenden Boden zu verdichten und dass man in die Beete leichter zu bearbeitende Erde füllen kann. Das will ich jetzt auch für meinen Schrebergarten. Was ich da bisher hatte:

Hügelbeet
Ein Hügelbeet anlegen ist aufwändig, aber der Ertrag war spitze. Nirgendwo anders sind meine Pflanzen so gut gewachsen, wie auf diesem Beet und das trotz einer immensen Schneckenplage.

Flachbeet
Kurz vor der Pflanzsaison habe ich noch für ein Beet die Rasenkante weggestochen und es bepflanzt. Im schweren Lehm ist kaum etwas gewachsen und noch viel schlimmer, das Gras wächst rechts und links wieder in das Beet. Also: Jäten, jäten, jäten. Vorteil: Das Beet war so schmal, dass ich von beiden Seiten ran kam, ohne es betreten zu müssen

Doppelt umgegrabenes Flachbeet
Das war viel Arbeit, hat sich aber am ehesten gelohnt. Doch auch hier hatte ich mit dem schweren Lehm und dem reinwuchernden Gras zu kämpfen. Außerdem mag ich es gar nicht, durch ein Beet zu laufen, wenn es feucht ist. Danach habe ich bei unserem Boden quasi Plateau Schuhe, von dem unter den Sohlen klebenden Schlamm.

Ich mag es strukturiert und ordentlich. Ich mag richtige Wege, schöne Erde und ich will nicht durch Schlamm waten müssen, um Unkraut zu jäten oder Gemüse zu ernten. Deswegen haben M und ich (naja, mehr ich) entschieden, in diesem Jahr vier Beete mit Holzeinfassung anzulegen. Jedes Beet soll 3 x 1 m groß werden und wird mit Gartenerde befüllt, die wir von unserer Kompostanlage holen wollen. Zwei Beete sind für Starkzehrer, eines für Mittelzehrer und eines für Schwachzehrer - das soll auch die Anbaumethode für unseren Garten werden.


Beet 1
Sprossenkohl und Spitzkohl Filderkraut


Beet 2
Mais und Kürbis


Beet 3
Karotten, Zwiebeln und Schalotten


Beet 4
Buschbohnen (Bamberger Blaue und Yin Yang) und Tagetes



Insgesamt sollen in den nächsten 5 Jahren 24 von diesen Beeten im Schrebergarten entstehen, wenn dort genug Platz ist. Die Füllung für die nächsten Beete wird aber von dieser abweichen. Ich hätte da schon Ideen, aber dazu mehr, wenn es so weit ist. Ich hoffe, dass das alles klappt. M wird viel machen müssen, denn Mitte Mai wird etwas aus dem dicken Überraschungsei schlüpfen, das ich vor mir hertrage und das wird unser Leben ganz schön auf den Kopf stellen.

Donnerstag, 2. April 2015

Gartenplaner

Eigentlich hatte ich vor, euch davon zu berichten, was der Winter mit meinen Quadratbeeten angestellt hat. Aber das wollte sich der Winter nicht gefallen lassen und setzte gnadenlos wieder ein. So viel Schnee hatten wir in den ganzen letzten Monaten nicht. Stimmt nicht ganz, aber es fühlt sich so an.

Stattdessen berichte ich euch von einem Gartenplaner, den ich im Internet gefunden habe. Wer mehr wissen will, kann sich diese Internetseite anschauen. Ich bin hin und weg von dem Gartenplaner und musste mir natürlich gleich die Vollversion für zwei Jahre kaufen, um alle Funktionen ausprobieren zu können. Es gibt aber auch eine Testversion, mit der ihr herumexperimentieren könnt. Hier nun meine Bewertung für den Gartenplaner.


Vorteile des Gartenplaners:
  • Er ist für alle Regionen der Erde einsetzbar. Am Anfang müsst ihr eingeben, für welche Region ihr ihn benötigt und es werden automatisch die Klimadaten der Region gezogen. Region heißt hier tatsächlich die nächste größere Stadt, für die Wetterdaten verfügbar sind; also nicht einfach nur "Deutschland".
  • Die Pflanzzeitpunkte passen sich an die Klimadaten eurer Region an und ihr erhaltet in regelmäßigen Abständen E-Mails, die euch daran erinnern, was ihr zu tun habt (Saatgut voranziehen, auspflanzen ...)
  • Der Plan speichert 4 oder 5 Jahre und unterteilt die Pflanzen in 8 Kategorien. In den Folgejahren wird er euch zeigen, wo ihr z. B. keinen Kohl mehr pflanzen dürft, weil ihr ihn dort schon im Jahr zuvor angebaut hattet. Dadurch soll das Risiko von Pflanzenkrankheiten, wie z. B. Kohlhernie vermieden werden.
  • Ihr könnt eigene Pflanzen anlegen. Ich habe zum Beispiel die Grünkohlsorte "Ostfriesische Palme" angelegt, die mehr Platz braucht, als andere Grünkohlsorten und auch etwas andere Pflanzzeiten hat. Dazu nimmt man einfach die schon vorhandene Pflanze und fügt eine weitere Variation ein, von denen aber auch schon sehr viele vorab angelegt sind.
  • Der Gartenplaner rechnet euch aus, wie viele Pflanzen von einer Sorte ihr insgesamt benötigt, somit habt ihr eine Einkaufsliste für euer Saatgut parat, in der auch gleich noch angezeigt wird, wann ihr was zu tun habt.
  • Ihr könnt Folientunnel, Gewächshäuser und Vlies über eure Felder ziehen und der Gartenplaner zeigt euch die entsprechend längeren Pflanzperioden an. 
  • Der Gartenplaner kann für das klassische Anpflanzen in Reihen genutzt werden, aber auch für das Quadratbeetgärtner (Square Foot Gardening = SFG). Einfach umstellen, fertig!
  • Man kann die Maßangaben auf das metrische System umstellen.

Nachteile:
  • Der Gartenplaner ist nur in Englisch verfügbar. Man sollte also Grundkenntnisse haben und ein Übersetzungstool. Gerade meine Kenntnisse in der Botanik sind eher Mau, von allein wäre ich nie darauf gekommen, dass Mangold im Englischen Swiss Chard heißt.
  • Für die Quadratbeete werden die Quadrate in 30 x 30 cm angegeben. Ich nutze aber 40 x 40 cm große Felder.
Im nächsten Blogeintrag berichte ich euch von meinen Gartenplänen, in diesem Jahr. Nur so viel: Aufgrund anderer Projekte sind diese überschaubar.

Sonntag, 29. März 2015

Mein schwarzer Traumprinz - ein Nachruf

Gerade eben warf ich einen Blick in den roten Palast und glaubte für eine Sekunde, Max läge darin und schliefe. Aber der Hundekorb ist leer, nicht einmal unser Schäferhund liegt in diesem Moment dort, es war einfach nur ein Schatten, der zu einer vertrauten Erinnerung wurde. Max war ein Hund der Widersprüche. Er brachte mich genauso oft zur Weißglut, wie zum Lachen. Bereits nach der ersten Nacht bei uns, wollte ich ihn sofort wieder zurück ins Tierheim bringen. Letztendlich blieben Max und ich 11 Jahre zusammen, eine lange Zeit, niemals hätte ich gedacht, dass dieser kranke und verrückte Hund so alt werden könnte.


Mit zwei Jahren adoptierten wir ihn, holten ihn aus dem Tierheim und die Pflegerin warnte uns vor, dass dieser Hund einen Zwingerkoller hätte. Doch Max war der einzige Hund, der uns nicht anbellte. Er stand auf zwei Beinen, die Vorderpfoten ans Gitter seines Zwingers gestützt da und schaute uns an. Eine mächtige schwarze Erscheinung. Mein Ex-Mann verliebte sich auf den ersten Blick. Ich wollte ihn nicht mitnehmen, ich wollte die 5 Jahre alte Schäferhündin mit der tiefen Stimme, die nebenan im Zwinger saß. Aber A konnte nicht von ihm lassen. Also holten wir ihn aus seinem Zwinger und gingen eine Runde mit ihm durchs Feld, er zog so sehr an der Leine, dass ich befürchtete, er müsse gleich ersticken. Er erschrak vor einem vorbeifahrenden Zug, er bekam seinen Zwingerkoller, weil es nicht schnell genug voran ging, doch er beruhigte sich schnell. Ich war erschrocken darüber, denn der später genannte "Gru" äußert sich, indem er versucht in seinen Oberschenkel zu beißen und dabei bellt und knurrt. Ein äußerst gefährliches Geräusch, dass immer wieder Erklärungen notwendig machte und Menschen in unserer Umgebung vor diesem Ungetüm abschreckte. Als wir zurück zum Tierheim gingen, blieb er an meinem Auto stehen und wollte von dort nicht mehr weg, doch wir brachten ihn zurück in seinen Zwinger, um ihn ein paar Tage später wieder abzuholen.


Max hieß im Tierheim Moritz und wir suchten lange nach dem passenden Namen für ihn. Als er endlich Max hieß, lachten uns Freunde aus, bis wir endlich begriffen, dass wir gerade zwei bekannte zusammengehörige Namen in einem Hund vereint hatten. Er war sehr mager, sein Fell fettig - wir trauten uns aber nicht, ihn zu waschen, weil er so unbekannt war - stattdessen kraulten wir ihn mit der Zeit sauber. Er mochte es nicht, wenn man seine Ohren anfasste, an seinen Hintern ließ er niemanden ran. Aber er biss uns nicht, immer nur sich selbst.


Für Max war alles neu. Er bellte Gitarren an, schob verwirrt As Brille von der Nase um seine Augen abzulecken, sprang laut bellend gegen einen Spiegel, um gegen den Hund dort zu kämpfen. Die erste Nacht war der Horror. Max gruhte und gruhte. A ging zu ihm in das Wohnzimmer und verbrachte die Nacht mit ihm auf dem Sofa. "Lass ihn uns wieder wegbringen", sagte ich am nächsten Morge, doch A interessierte sich nicht für meine Worte. Mit der Zeit - es war März - wurde er etwas ruhiger. Doch im Sommer, als die ersten Gewitter aufkamen, wurde er immer nervöser, sein Zwingerkoller immer schlimmer.


Max blieb und zog immer wieder mit mir um. Vier Wohnungen lernte er kennen und je älter er wurde, desto ruhiger wurde er - Streicheleinheiten genoss er sehr, vorallem, wenn man ihn an Ohren oder Hintern kraulte. Dennoch gab es Zeiten, in denen ich ihn am liebsten erschlagen hätte. Er war frech, hatte seinen eigenen Kopf. Hörte am Anfang nur schlecht, ließ sich kaum von uns beeindrucken, zerstörte Sofa, Sessel, Bett, gelbe Säcke, Schaukelstuhl und fraß regelmäßig den Mülleimer leer. Jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, konnte ich mich auf die nächste Überraschung gefasst machen. Doch dann waren da die Spaziergänge. Seine unendliche Begeisterung für Bälle - die er mir nie zurück brachte, sondern triumphierend herum trug, bis er das Interesse daran verlor und sie liegen ließ. Sein Strahlen, wenn er mich sah und die Albernheiten, mit denen er mich so oft zum Lachen brachte, waren all der Mühe Lohn. Er war mein Clown und mein Traumprinz, mein Stern und ein manchmal erfolglos jagendes Arschloch. Der Buddelweltmeister und Schmusehund, der 38 kg Hund, der viel zu oft dachte, er sei ein kleiner Schoßhund und sich trotz seines Gewichtes auf meinen Schoß legte, auch wenn ich nur auf einem Sessel saß.


Er entwickelte sich zu einem Traumhund, der seine Macke - den Zwingerkoller - zwar nie vollständig los wurde, sie aber so weit unter Kontrolle brachte, dass es erträglich wurde. Max wurde zu meinem Hund. Er liebte mich, so sehr wie ich ihn liebte. Hatte ich schlechte Laune, bekam auch er schlechte Laune und wir steigerten uns gegenseitig rein - ich schrie ihn an und er gruhte nervös. Er wollte immer nur mit mir spazieren gehen und streikte bei allen anderen, wenn sie ihm nur die Leine zeigten und ich nicht in deren unmittelbarer Nähe war. Je älter er wurde, desto ruhiger wurde er, er behielt seinen eigenen Kopf und machte noch immer Unfug, aber er war einfach nur ein gutmütiger, sensibler, geduldiger Sternenhund, der uns so viele Fehler verzieh. Am wohlsten fühlte er sich, wenn viel los war. Je mehr Menschen um ihn herum waren, desto fröhlicher wurde er. Ging von einem zum nächsten und ließ sich verwöhnen.


Und zudem war er auch der kränkeste Hund, den wir uns hätten aussuchen können. Doch er war ein Kämpfer und keine seiner Krankheiten beeinflusste ihn wirklich. Er hatte Räude, Leishmaniose, Babesiose und Ehrlichiose. Harnleiter-, Ohren- und Augeninfektionen, Toxoplasmose und immer mal wieder Geschwüre, mindestens 5 Mal wurde er wegen irgendwelcher Geschwüre operiert und unsere Tierärztin hatte ihn als Dauergast gebucht.


Als es Zeit wurde, von ihm Abschied zu nehmen, sagte sie noch einmal, dass sie niemals einen Hund in Behandlung hatte, der so viele Krankheiten mitbrachte und der sich so gut entwickelt hat. Doch zum Schluss konnte auch sie nichts mehr für ihn tun - all die vielen Medikamente brachten keine Besserung mehr. M und ich entschieden, ihn einschläfern zu lassen. Alles fing an mit einem Geschwür an der Pfote - schwarzer Hautkrebs - das erfolgreich entfernt werden konnte. Doch kurze Zeit später wurde sein Hinterteil zu schwach und er brach häufig weg, schlug sich bei seinen Stürzen die Nase blutig. Er hatte einen Schlaganfall, eine Harnleiter-, Nieren- und Blaseninfektion. Einen Ausschlag auf der Haut, der erst seinen Penis und dann sein Bein dick anschwellen ließ. Er verlor den Appetit und damit auch zusehends an Gewicht, lag häufig nur noch in seinem roten Palast zu meinen Füßen, hechelte und fiepte.


Es dauerte lang, bis wir uns durchrangen, ihn einschläfern zu lassen. Unsere Tierärztin gab ihm eine überdosierte Vollnarkose. Er war so schnell tot, dass er es selbst nicht begreifen konnte. Ich weiß, dass es für ihn letztendlich eine Erlösung gewesen sein muss, doch trotzdem fühle ich mich wie ein Verräter, der tapferen Kämpfer Max eine Messer in den Rücken gerammt hat. Er hatte mir vertraut, ging überall hin mit mir, am Ende sogar in seinen eigenen Tod.


Es wird nie wieder einen Hund wie Max geben. In schwierigen Zeiten haben wir uns gegenseitig gestützt und beieinander Trost gesucht. Die gemeinsamen Spaziergänge waren unsere Freiheit und unser Vergnügen. Wir haben zusammen so viel neues entdeckt - kein anderes Wesen, außerhalb meiner Familie, hat je so viel Zeit mit mir verbracht, wie der verrückte Hund mit den vielen Namen.


In Erinnerung an Max (aka Maxwell, Maxi, Maxe, Blackwell, Schwarzwald, Master Gru, Stern, Prinz, Arschloch, Unfug, Quatschkopf, ...)